02828658-00-00 Titel: Ensel und Krete. Ein Märchen aus Zamonien.
Autor und Illustrator: Walter Moers
Verlag: Goldmann
Erscheinungsdatum, Taschenbuchausgabe: Juli 2002
Seitenzahl: 256

„Der Große Wald. Buntbären. Fhernhachenzwerge. Ein gefährlicher Laubwolf. Unsterbliche Sternstauner. Ehrgeizige Erdgnömchen. Ein unberechenbarer Stollentroll. Die Mythenmetzsche Abschweifung. Kokette Elfenwespen. Geheimbären. Eine Waldspinnenhexe. Blutsaugende Fledertratten. Weinende Bäume. Sprechende Pflanzen. Tanzende Pilze. Leuchtende Ameisen. Doppelköpfige Wollhühnchen. Dreiäugige Schuhus. Ein sehr alter Meteor. Schreckliche Spannung. Grausame Bosheit. Goldener Humor. Feinste zamonische Hochliteratur. Um nur das Gröbste zu nennen.“ – Hildegunts von Mythenmetz


Und wieder entführt Walter Moers den Leser in das phantastische und zu mal auf erschreckende Zamonien. Diesmal tätigt er sich jedoch nur als „Übersetzter“ und Illustrator für den Autor Hildegunst von Mythenmetz, wohl DEN bekanntesten Schriftsteller Zamoniens. Wer bei dem Titel schon leicht ins Grübeln gerät und meint es irgendwoher zu kennen; ja dem ist so. Nicht nur der Titel erinnert an das Grimmsche Märchen Hänsel und Gretel, sondern auch die Thematik und der Aufbau, dieses zamonischen Märchens. Die Abenteuer von Ensel und Krete im Großen Wald sind ähneln denen von Hänsel und Gretel, sind aber weitaus furchteinflößender, düsterer und nichts für schwache Nerven. Die Kinder können und dürfen eigentlich nicht klagen. Wurde ihnen doch bei ihrer Ankunft in diesem makellosen Ferienparadies eingebläut sich nicht vom Weg abzukommen. Aber wie Kinder nun einmal sind tun sie es doch.
Das Märchen ist wortgewandt, spannend und ein ums andere Mal auch zum Gruseln. Die Illustrationen regen wieder einmal zum Denken, träumen und verlaufen im Großen Wald ein, man sollte nur aufpassen nicht zu weit vom bekannten und ausgeschilderten Wald abzukommen. Denn schon Käpt’n Blaubär sprach vom Großen Wald und er verbrachte dort eins seiner 13 ½ Leben, sicher nicht das angenehmste Leben was er hätte führen können. Und auch wenn der Wald jetzt, in Ensel und Kretes Geschichte von Buntbären bewohnt wird lauert hinter jedem Baum, in jedem Schatten abseits des Weges etwas Böses.

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Meine Meinung

Das Märchen an sich hat mir gefallen. Ich bin ohnehin ein Riesen Fan von Märchen aller Art, aber besonders faszinieren mich die Märchen der Gebrüder Grimm. Und Ensel und Krete ist nichts anderes als eine neue, in Zamonien spielende Version dieses Klassikers. Die reichlichen, kuriosen und wunderschönen Illsustrationen Moers sind wie in allen anderen Zamonien Büchern der Hingucker. Sie bringen einem die Figuren, die Welt und das was die Kinder erleben näher. Und dennoch, Ensel und Krete fangen irgendwann an einem beim Lesen auf die Nerven zu gehen. Das ständige Jammern wird irgendwann lästig, denn schließlich sind sie selber schuld an ihrer verzwickten Lage, Mutter Seelen alleine im Wald zu sitzen.

Trotzdem, Ensel und Kretes Gejammer ist nur das zweitschlimmste an diesem Buch. Das wirklich aller Schlimmste ist die Mythenmetzsche Abschweifung. Diese Abschweifung. Wie soll ich die am besten erklären? Da Walter Moers nur als „Übersetzter“ für dieses Buch steht, ist es klar das hier ein anderer Schreiberling seine Finger im Spiel haben muss. Und das ist Hildegunst von Mythenmetz. Besagter Mythenmetz hat etwas in die zamonische Literatur eingegliedert was er die „Mythenmetzsche Abschweifung“ nennt. Ich zitiere, „Diese Technik ermöglicht es dem Autor, an beliebigen Stellen seines Werkes einzigreifen, um, je nach Laune, zu kommentieren, zu belehren, zu lamentieren, kurzum: abzuschweifen.“

An sich hätte mich diese Tatsache nicht gestört, wenn mir die Art und Weise wie Mythenmetz mit seinem Leser umspringt, eine andere gewesen wäre. Und wenn diese, seine Abschweifungen nicht fast gleich lang oder sogar länger als das Märchen gewesen wären. Sein „palabern“, plaudern und ausheulen geschieht auf ca. 50 Seiten des Buches. Noch dazu geschieht dies an den unpassendsten Stellen der Geschichte, immer wenn ich das Gefühl hatte es wird endlich wieder spannend, wumm, Mythenmetz fängt an über seinen Hass zu einem Literaturkritiker zu reden und spricht sich mehr oder weniger in Rage und findet über Seiten kein Ende. Ich war später so von dieser Echse, eigentlich ist Mythenmetz eine Art Saurier, so dermaßen genervt, das ich zugeben muss, seine Abschweifungen überblättert zu haben. Kann sein das ich dadurch hier und da einiges Versäumt habe, was wichtig gewesen wäre für die Geschichte, wie die Erklärung der ein oder anderen Spezies die im Wald aufgetaucht, aber dafür hatte man ja die Fußnoten von Professor Dr. Abdul Nachtigaller, in denen er wieder einmal aus seinem Lexikon der erklärungsbedürftigen Wunder zitiert und erläutert.

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Durch das Überspringen der Abschweifungen, gefiel mir das Buch super gut. Auch wenn die Kinderchen etwas genervt haben waren sie lange nicht so nervig wie der Autor selber, in seinen zumeist sinnlosen Abschweifungen.

Versteh mich bitte nicht falsch. Moers schreibt wie immer ausgefallen und bildgewaltig. Aber ich möchte nicht jedes Mal nach einer halben Seite Märchen, über die gesundheitlichen Probleme eines „alternden“ und vielleicht zu hochgelobten Dinosaurier lesen, was er für Probleme mit Literaturkritikern hat, oder seiner Gallenblase oder wie sehr er doch seine hypochondrische Anwandlung perfektioniert hat. Das alles interessier mich beim Lesen nicht. Wenn ich lese, will ich nicht regelmäßig den Faden verlieren und mich jedes Mal, wenn die Abschweifung endet fragen, was ich denn zu Letzt über Ensel und Krete gelesen habe, oder wo wir denn stehengeblieben waren mit dem Märchen.

Kurz um, es war einfach nur anstrengend zu lesen und hat mich des Öfteren Fuchsteufelswild werden lassen.

Natürlich ist es ein spannender künstlerischer Griff den Moers da getan hat. Einmal erzählt er das Märchen über Ensel und Krete und im gleichen Atemzug bringt er einem Mythenmetz und seine Mätzchen näher. Vielleicht auch aus gutem Grund, denn die Bücher Die Stadt der Träumenden Bücher und Das Labyrinth der Träumenden Bücher von Mythenmetz selbst handeln und geschrieben sind, sprich eine Art Biographie und Moers nur wieder aus dem Zamonischen übertragen hat. Und auch das Buch Der Schreckensmeister stammt aus der Feder Mythenmetz‘. Ich hoffe nur innständig das Mythenmetz für diese drei Bücher seine Abschweifungen noch nicht erfunden hat und das halbe Buch seine Abschweifungen sind.

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Wie sich schon erahnen lässt hat mir dieses Buch nicht ganz so gefallen wie es seiner Zeit die 13 ½ Leben Käpt’n Blaubär getan hat. Vielleicht hatte ich aber auch zu hohe Erwartungen, wer weiß. Vielleicht haben mir aber auch die „Mythenmetzschen Abschweifungen“ das Märchen über Ensel und Krete vermiest, weil an sich war die Geschichte ja spannend. Das Abenteuer und die Entdeckungen der Kinder waren wie gesagt spannend, lehrreich und waren teilweise auch richtig gruselig. Sie waren zwar nervig wegen ihrem Gejammer aber sie waren halt auch selbst schuld. Die Illustrationen waren wie immer wunderwunderschön und brachten einem bei, wie denn kokette Elfenwespen, die Buntbären, den Laubwolf und die Erdgnömchen aussehen.
Wenn nur diese elendigen Abschweifungen nicht gewesen wäre, oder weniger von ihnen oder wenn sie kürzer gewesen wären. Sie waren ja nicht alle Schlecht, die eine Abschweifung in der Erzählt wird wie Fhernhachenzwerge zählen, in Zuneigung und ihre Nasen aneinander reibend, war recht interessant. Aber diese Abschweifung war eine Ausnahme.

Um fair zu sein, es ist ein gutes Buch! Wer Walter Moers und seine Zamonien-Reihe mag wird es so oder so lesen, so wie ich.  Natürlich ist die Abneigung gegenüber den Abschweifungen meine Eigene, ein anderer Leser wird sie vielleicht schon wieder interessant finden und Gefallen an ihnen finden. Für mich war es jedoch so, dass ich mich regelrecht zwingen musste sie zu lesen und irgendwann habe sie einfach übersprungen, wie schon gesagt. Und ab da hat das Buch auch wirklich Spaß gemacht und ich habe gerne die etwas andere Art von Hänsel und Gretel gelesen!


Endlich ist die Rezension fertig. Eigentlich (mein Lieblingswort) sollte sie ja schon gestern online gehen, aber meine Finger und der Kopf wollten einfach nicht zusammenarbeiten. Deswegen kommt sie erst heute.
Ich weiß, nach meiner sehr positiven Rezension zu Die 13 ½ Leben des Käpt’n Blaubären, ist diese Rezension vielleicht das komplette Gegenteil, aber so ist das nun mal. Es kann nicht immer alles Top sein und schon gar nicht nach den Wünschen und Vorstellungen des Lesers.

Wie mehrmals gesagt ich mochte das Märchen an sich, nur der Rest hätte nicht sein müssen. Da dieser für meinen Teil sehr ermüdend und wirklich anstrengend zu lesen war.

Es ist auch ein etwas „hässlicher“ und vielleicht negativer Start in den neuen Monat, aber ich kann dir Versprechen die nächste Rezension zu Rumo & Die Wunder im Dunkelnwird weitaus positiver ausfallen. Genauso wie die restlichen (Nicht-Walter Moers) Rezensionen die im Juli folgen werden.

Ansonsten sind diese, meine Ansichten über das Buch meine Eigenen! Falls du das Buch selbst gelesen hast und einige Gedanken dazu hast würde ich mich freuen, wenn du sie mit mir teilen würdest. Ich bin sehr gespannt zu erfahren wie dir oder irgendjemand anderem das Buch gefallen hat. Ob du der gleichen Meinung bist oder eine völlig andere hast. Vielleicht haben dir ja sogar die „Mythenmetzschen Abschweifungen“ gefallen? Wer weiß? Ich würde mich wie gesagt riesig über einen Austausch freuen.

Ansonsten wünsche ich dir noch einen wundervollen Sonntag! Genieße den nicht ganz so warmen Tag und wir lesen uns dann später wieder. 😉

Ganz liebe Grüße

Deine kleine Wasserhexe

Beitragsbild: Photo by Cathy Mü on Unsplash
Illustrationen: Walter Moers, zamonien.de

4 thoughts on “Rezension: Ensel und Krete. Ein Märchen aus Zamonien von Walter Moers”

  1. Hallöle🙃
    Noch habe ich ja leider noch gar nichts von Moers gelesen, aber ich werde mir wohl im September, wenn ich etwas mehr Geld zur Verfügung habe, den Käptn Blaubär zulegen, aus einer Bibliophilen Macke wohl leider im teuren Hardcover😅
    Ich bin schon sehr gespannt, wenn ich dann auch diesen Roman irgendwann lesen werde, einfach weil ich finde, diese Art klingt seehr mutig und ist etwas, was man wohl entweder liebt oder hasst😅

    1. Ups, dein Kommentar zu Ensel und Krete ist hier irgendwie total untergegangen… Ist ja nicht das erste Mal… 😛
      Ich hab auch recht lange gewartet bis ich mich an Bücher von Moers „gewagt“ habe! Und mit dem Gedanken, welche Ausgabe, Hardcoveroder Taschenbuch, hab ich auch ewig gekämpft. Aus Geldnot und zu viel Leselust, sind es dann die Taschenbücher geworden. xD Aber ich kann dich voll verstehen warum du die gebundenen vorziehst! Wenn sie nicht so teuer wären, würde ich auch mehr Hardcover Bücher zustehen haben. xD Aber wie sagt man? In der Not frisst der Teufel Fliege, also machen es auch die Taschenbücher für mich, haha.

      Hehe, ich freu mich jetzt schon irgendwie auf deine Gedanken zu dem Buch dann! Auch wenn es vielleicht noch etwas dauern wird, find ich es sehr interessant dann zu sehen was jemand anderes über die Art des Schreibens denkt! Weil wie du schon sagst es ist recht mutig und entweder man hasst es oder man liebt es. 😀 (Bei mir wissen wir ja schon das ich zu den „Hassern“ gehöre… xDDD)

      1. Na da bin ich ja grad froh, dass ich nicht die Einzige mit solchen hin und her überlegungen bin! XD
        Es ist tatsächlich eine enorme investition, doch ich denke, Moers könnte das Wert sein… Und in der Ausbildung verdiene ich dann bald erstmal nicht schlecht^^

        Ja, es wird wohl noch dauern… Außer, wenn es mir so geht, wie dir und ich einen Mörs Band nach dem nächsten verschlinge ;P

        1. Nein, das bist du ganz und gar nicht! 🙂 Ich glaube jeder kennt das ab und an mal. xD

          Ja, das denke ich auch! 🙂 Na das hört sich doch gut an! Dann hast du ja die Möglichkeit dir die Hardcovers zu kaufen. 😀

          Wir werden sehen! 😉 Du kannst mich ja mit den Moers Bücher auf dem laufenden halten, haha. <3

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