Tsugumi
Titel: Tsugumi
Originaltitel: Tugumi
Autor: Banana Yoshimoto
Übersetzter: Annelie Ortmanns
Verlag: Diogenes Verlag AG
Erscheinungsdatum: 20. 03. 1989
Seitenzahl: 192

Zwei Mädchen, die auf der Halbinsel Izu eine idyllische Kindheit verbracht haben, erneuern hier jeden Sommer ihre Freundschaft: die Ich-Erzählerin Maria und die wilde Tsugumi, deren Temperament nicht so recht zu ihrer fragilen Gesundheit passen will. Es ist der letzte Sommer einer engen Mädchenfreundschaft. Und auch die Inselidylle nimmt ein jähes Ende. Denn im Ort wird ein großes Hotel gebaut, das den Ruin der kleinen Gasthöfe bedeutet. Tsugumi lernt einen jungen Mann kennen, der im Ort heftig angefeindet wird. Er scheint der einzige zu sein, der das eigenwillige Mädchen zu erobern mag. Aber die zarte Liebesgeschichte endet beinahe in einer Katastrophe.


Der Roman Tsugumi, ein Roman der die Stimmungsvollen, beunruhigenden so wie sehnsüchtigen und melancholischen Zeiten des Erwachsenwerdens bis ins kleinste Detail beschreibt. Genauso war auch schon der letzte Roman Moshi Moshi den ich von Yoshimoto gelesen hatte. Zwar hat auch Tsugumi einiges an dunklen, traurigen und vor allem wehmütigen Zeilen aber nicht in dem Maße wie es Moshi Moshi hatte. Tsugumi ist irgendwie leichter, „frühlingshafter“. Es erzählt von der Leichtigkeit der Kindheitserinnerungen und dem etwas holprigen Weg erwachsen zu werden.

Tsugumi ist eher ein Tagebucheintrag, nein eher ein Brief finde. Ein Brief den man seinem jüngeren Ich zukommen lassen will. Oder ein ganz persönlicher Brief, dem man einem alten Freund schreibt, der zumindest einen Teil dieser vergangenen Zeit miterlebt hat. Ein Brief der von den Erinnerungen an die unbekümmerten, familiären und heimischen Zeiten spricht. Ein Brief der beim Lesen dieser wunderbar überlegten Zeilen einen wohligen Schauer durch den Körper jagt, weil man sich denk; „Ja, ich weiß genau wie du dich fühlst“

Ich muss dich gleich Vorwarnen, diese Rezension wird sich wieder ins Endlose ziehen, einfach weil ich mir nicht anders zu helfen weiß. Denn ich war wieder so ergriffen von dem Buch und war am Ende doch positiv überrascht, dass es nicht so ausgegangen ist wie ich es mir durch das Inhaltsverzeichnis und die erste Seite gedacht habe.

Die Geschichte, die ich Erzählen will, handelt von Erinnerungen an meinen letzten Sommer in dem Küstenstädtchen meiner Jugend. Die vorkommenden Personen, die Menschen aus den Gasthaus Yamamoto, sind längst von dort weggezogen, und ich glaube, ich werde nie wieder mit ihnen zusammenleben. Um heimzukehren, ist meinem herzen kein anderes Zuhause geblieben als die Erinnerung an die Zeit mit Tsugumi.

Maria und ihre Cousine Tsugumi könnten unterschiedlicher nicht sein. Maria, der Name der Ich-Erzählerin ist ihr in gewisser Weise auf den Leibgeschnitten. Sie sagt selbst, sie besitzt kein heiliges Gemüt, ist eher ungeduldig und strahlt anderen gegenüber dennoch eine innere Ruhe aus, die einen vor Neid nur erblassen lassen könnte. Vermutlich, mein Maria selbst da sie ein Landei ist, und sich nicht wie die Leute in Tokyo sofort über alles und jeden aufregen. Maria hatte kein einfaches Leben würde ich sagen. Als die uneheliche Tochter ihrer Eltern (ihr Vater ist noch mit einer anderen Freu verheiratet die sich einfach nicht von ihm scheiden lassen will und das schon seit Jahren), hat sie es in der japanischen Gesellschaft sicherlich nicht leicht gehabt. Genauso wenig wie ihre Mutter als die ewige Geliebte. Aber das tut nicht groß zur Sache bei.

Denn es geht hauptsächlich um Maria und Tsugumi, ihre um ein Jahr jüngere Cousine. Ein kränkliches Mädchen schon von klein auf, wird von ihrer Umgebung und besonders ihrer Familie verhätschelt und vertätschelt. Aber wie sollen Eltern auch anders reagieren, wenn sie seit Jahren damit rechnen das geliebte Kind könne jeden Moment sterben? Genau, dass ist es was seit je her, den Alltag in dieser Familie bestimmt. Tsugumis Gesundheit ihr bei dem kleinsten „Vergehen“ zu schaffen macht. Sie weiß jedoch wie sie diese hinter „dem Antlitz des Teufels“ zu verstecken weiß.

Ich weiß, ein jeder wird jetzt sagen, „nur weil man zartbesaitet und eigentlich todkrank ist muss man nicht als der Teufel auf Erden wandeln“, das ist richtig. Und dennoch kann ich Tsugumi und ihre Art und Weise, die sie seit Geburt an an den Tag legt, sehr gut verstehen. Nur weil man Krank ist muss man sich nicht Krank fühlen oder von allen Seiten bemitleidet werden oder sich gefallen lassen, dass andere Kinder hinter deinem Rücken böse über dich reden!
Tsugumis Art und Weise ist ein Schutzmechanismus. Es ist ein Kokon, den sie aufgebaut hat, um das ständige Mitleid abprallen zu lassen und um sich dagegen auflehnen zu können.

Selbst Maria findet sie anstrengend und findet Tsugumis Art und Weise nicht ok. Verständlich, aber nach einem ganz besonderen Ereignis fängt sie an ihre Cousine anders wahrzunehmen und sie besser zu verstehen. Ich will nur noch so viel sagen, Maria fängt an bei Tsugumi zwischen den Zeilen zu lesen und ihre Anwandlungen anders und überlegter zu deuten und sie auch zu verstehen.

Im Laufe der Erzählungen beginnt man selbst irgendwann zu merken, dass eine kleine Veränderung in Tsugumi vorgegangen ist. Und wenn nicht, dann hat man irgendwann selbst gelernt ihre Art mit den Menschen umzugehen zu verstehen. Es ist niedlich zu erfahren, dass als Maria für den einen letzten Sommer zurückkehrt Tsugumi diejenige ist, die mit dem Nachbarshund, den sie ja eigentlich vor Jahren mal so gehasst hat, am Strand gassi geht. Ich war auch irgendwie entzückt zu sehen, wie sich Tsugumi zusehends verändert nachdem sie Kyōichi kennenlernt. Natürlich kehrt sie bei ihm Anfangs „Engel-Tsugumi“ heraus, aber ich bin mir Ziemlich sicher das Kyōichi sie schnell durchschaut hat.

„Aber diesmal, diesmal hab ich das Gefühl teilzunehmen. Das mag an den Hunden liegen oder daran, daß ich bald wegziehe von hier. Aber Kyōichi ist alles anders. Ich krieg einfach nicht genug von ihm, egal, wie oft ich ihn sehe. Ich hab ihn so lieb, daß ich sein Gesicht am liebsten mit dem Softeis, oder was ich gerade in der Hand hab, ein schmieren würde!“

„Ein entzückender Ausdruck liebevoller Zuneigung!“ sagte ich, aber es ging mir zu Herzen. Sanft streichelte der heiße Sand meine Füße. Ein Gefühl – mit jedem Wellenschlag wollte ich dafür beten, daß Tsugumi von nun an immer nur Gutes widerfahren möge.

 

Meine Meinung

Wie du sicherlich schon durch das lesen gemerkt hast bin ich sehr begeistert von diesem Roman! Und das liegt an vielen Dingen. Ich merke, schon nach dem zweiten Buch, dass mir Yoshimotos Erzählstil unheimlich zusagt. Er ist so fesselnd und ergreifend geschrieben. Ich mag es wie sie die Themen in ihren Romanen erzählt, das Leid und die Freude der einzelnen Personen beschreibt. Zwar fehlt mir manchmal bei einigen der Personen die tiefe, aber bei der Kürze der Romane verzeihe ich das gern. Und um ehrlich zu sein glaube ich nicht, dass ihre Charaktere, egal ob Protagonisten oder Nebencharaktere dies brauche. Alles das was unerwähnt bleibt, kann man sich selbst dazu denken, irgendwie. Und dadurch gehen mir die Erzählungen auch immer wieder sehr nahe. Ich hatte hin und wieder ein paar Tränen in den Augen und die Gefühle, es waren irgendwie alle auf einmal, meinten das es okay ist. Es war schön diese Zeilen zu lesen und ein paar Tränchen in den Augen zu haben.


Gut, soviel dazu. Obwohl mir die Geschichte und die Charaktere sehr gefallen haben fand ich Tsugumi etwas übertrieben. Ich habe sie jetzt nicht gehasst oder bin aus dem verdrehen meiner Augen nicht mehr herausgekommen, aber es war irgendwie immer etwas störendes an ihr, wenn sie erwähnt wurde. Und da sie die Protagonistin, in dem Sinne ist, (es geht ja um die Erinnerungen die Maria mit ihr gesammelt hat), geht sie einem mit ihrer Art und Weise anderen Menschen gegenüber irgendwann gegen den buchstäblichen Strich! Wie weiter oben im Text schon erwähnt, kann ich sie gut verstehen. Und ich denke auch, oder zumindest habe ich das so gelesen, neckt und „beschimpft“ sie besonders ihre Cousine Maria, weil sie sie liebt. Und trotzdem. An einigen Stellen im Buch war Tsugumi einfach „too much“ besonders ihr Umgang mit anderen. Und trotzdem am Ende, im Kapitel „Tsugumis Brief“ ging mir ihre stoische, arschige Art und Weise wieder sehr zu Herzen. Auch weil ich hier wieder gemerkt habe, dass ich richtig lag mit meinen Gedanken und Tsugumi, besonders Maria sehr liebt (auch, wenn sie es auf keine normale Art zeigen kann) und man deswegen doch ziemlich zwischen den Zeilen lesen muss, um das herauszufinden.

 

Fazit

Da ich bis dato nur zwei Bücher von Yoshimoto kenne, kann ich gar nicht sagen „Ein schönes Buch so wie die anderen die sie geschrieben hat auch“… Aber um ehrlich und irgendwie fair zu sein; von den zwei Büchern, die ich bis jetzt gelesen habe, gefiel mir Tsugumi noch einen ticken besser wie Moshi Moshi! (Ich weiß viele die Tsugumi gelesen haben werden sich jetzt fragen wie das sein kann, aber so ist das eben, Geschmäcker sind bekanntlich verschieden! 🙂 ) Beide waren sehr schön, poetisch, ruhig und irgendwie verträumt geschrieben. Der ernstere Ton, der im Hintergrund immer spürbar war, tat sein übliches und zog mich immer tiefer in diese Erinnerungen hinein. Und man konnte auch die Liebe zu der kleinen Halbinsel und dem Gasthaus und eigentlich dem ganzen Dorf immer wieder spüren.

Maria war mir, trotz ihrer Naivität und ihrer Melancholie die sie oftmals Überfiel, sehr sympathisch und es hat mir spaß gemacht ihre Erinnerungen zu Lesen. Und auch, wenn ich Tsugumi, ihre Situation und ihr dadurch entstandenes Verhalten zeitweise wirklich verstehen konnte war sie mir dadurch mehr als unsympathisch! Wie gesagt diese „verzogenes Gör“ Anwandlungen waren mir öfter wirklich „too much“. Was ich sehr schade finde. Tsugumi an sich war eine tolle Protagonistin, nur manchmal unausstehlich und nur Nase rümpfend zu ertragen.

Der Schluß des Buches ließ mich aufatmen. Ich versuche jetzt jeden Spoiler für mich zu behalten, aber selbst Moshi Moshi hatte ein versöhnliches Ende. Aus diesem Grund wusste ich nicht ob das auch bei Tsugumi der Fall sein würde, war aber wie gesagt dann positiv überrascht und vor allem erleichtert das es so war. Ich hatte mir von Anfang an die schrecklichsten Szenarien ausgemalt, die aber nie eintrafen, zumindest nicht auf die Weise wie von mir „ersponnen“.

Ansonsten finde ich, dass Yoshimoto auch mit diesem Roman eine wundervolle melancholische, witzige und ergreifende Geschichte geschrieben hat, in der ich mich gerne etwas verloren habe. Für mich als Japan Fan sind die Beschreibungen und Erzählungen zu der Natur und den Orten immer ein kleines Highlight, was mein Herz vor Freude hüpfen lässt. Und ich glaube auch deswegen bin ich immer ziemlich fasziniert von japanischen Büchern generell.

Feuerwerk, das sich über dem Meer völlig ungehindert entfalten kann, sieht wundersam aus, als wäre es ein Teil des Kosmos selbst. Wir standen nebeneinander am Strand und bestaunten sprachlos den Lichterregen, der sich wieder und wieder über uns ergoß.

 


 

So, das wars. Ich weiß nicht wie viel Rezension und wie viel von dem Text eigentlich nur Schwärmerei ist. Und ob diese Schwärmerei so viel Text eigentlich verdient hat, denn leider habe ich das Gefühl ich erzähle dir in jedem Abschnitt das gleiche, immer wieder ein und dasselbe. 😛 (Natürlich hoffe ich du siehst das anders, aber man weiß ja nie xD) Dennoch hoffe ich dir hat die Rezension gefallen und du konntest bis zum Schluss durchhalten mit dem lesen!
Wasserzeichen

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