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Titel:
Naokos Lächeln. Nur eine Liebesgeschichte
Originaltitel: Noruwei no mori
Autor: Haruki Murakami
Übersetzt von: Ursula Gräfe
Verlag: btb
Erscheinungsdatum: 01.02.2003
Seitenzahl: 415

Naokos Lächeln erzählt lebendig und leidenschaftlich von einer Liebe im Tokyio der unruhigen sechziger Jahre. Toru, musik- und literaturbegeisterter Student der Theaterwissenschaften, steht zwischen zwei Frauen: der geheimnisvollen Naoko und der Lebenslust vibrierenden Midori.


Ich kann jetzt aufrichtig behaupten; Ich habe einen Murakami gelesen!
Geplant hatte ich diese Rezension ja schon für gestern, aber die Worte waren nicht auf meiner Seite und je mehr ich über diesen Roman nachdachte, umso mehr viel mir auf das ich diesem Roman immer noch mit einer gewissen Ratlosigkeit gegenüberstand. Ich konnte von Anfang an das gelesene schwer in Worte fassen. Was bestimmt daran lag das ich schon beim Lesen immer diese beklommenen unbeschreiblichen Gefühle hatte.

Deswegen tat ich mich gestern schwer diese Rezension anzufangen und hoffe jetzt, dass ich mit diesem sechsten Versuch(!) endlich die passenden Worte gefunden habe. Also ohne noch größere Umschweife hier endlich die Rezension:

Die Geschichte handelt von Toru Watanabe einem sehr zurückhaltendem, Musik- und Literaturliebhaber der Theaterwissenschaften im unruhigen Tokyo der sechziger Jahre studiert. Der mir in dieser Geschichte durchgehend sympathisch erschien, durch seine Durchschnittlichkeit, auf die er sich selbst oft besann, sehr normal wirkte. Ein weiterer junger Mensch, der keine Ahnung vom Leben hat und was er später einmal daraus machen will. Nach dem Selbstmord seines besten Freundes Kizukis, haftet eine gewisse Melancholie an ihm. Er denkt viel über den Tod nach und was, das Erwachsenwerde mit dem Tod zu tun hat und andersherum. Er „verkriecht“ sich gern in seinen Büchern, liest viele Klassiker und ist wie sicherlich jeder in diesem Alter von der Musik beinahe besessen.

Sein melancholischer Alltagstrott mit den irgendwie zermürbenden Gedanken wird durch die Begegnung mit Naoko, Kizukis leicht seltsame Freundin. Je mehr er Naoko kennenlernt umso mehr muss er sich eingestehen, dass seine Gefühle ihr Gegenüber immer mehr zunehmen. Naoko, eine zerbrechliche junge Frau die immer noch stark unter dem Selbstmord Kizukis leidet, stell Torus Leben gewissermaßen auf den Kopf. Nachdem die beiden sich näher kommen verschwindet Naoko spurlos. Erst nach Monaten bekommt Toru einen Brief von ihr, in dem steht das sie seit einer Weile in einem Erholungsheim ist um dort wieder gesund zu werden.

In der Zwischenzeit hat Toru die lebensfrohe, burschikose Midori kennengelernt, die ihn des Öfteren aus seinen tristen Gedanken und Grübeleien in die Realität holt. Zu allen Problemen die Toru mit sich selbst und Naoko hat, kommt nun auch noch Midori zu der er sich schlussendlich auch immer stärker hingezogen fühlt.

Toru muss sich entscheiden, hält er an der Liebe zu Naoko fest, wie er es ihr versprochen hat. Auch, wenn Naoko nie ganz gesund werden sollte, lohnt es sich auf sie zu warten? Oder will er sich eher ein Leben mit der Willensstarken Midori aufbauen?

Meine Meinung

Das Jahr 1969 ist mir als ein unüberwindlicher Morast im Gedächtnis geblieben. Ein schwerer, zäher Morast, in dem bei jedem Schritt, den ich machte, mein Schuh steckenzubleiben drohte. Mit größter Anstrengung versuchte ich, mich durch diesen Sumpf zu arbeiten. Vor mir und hinter mir war nichts zu erkennen. Soweit das Auge reichte, nur schwarzer Morast. Sogar die Zeit quälte sich im zähen Tempo meiner unbeholfenen Schritte dahin. Die Menschen um mich herum wahren längst weitergezogen, während ich noch immer mühsam durch den Morast krauchte. Große Veränderungen schienen bevorzustehen. […] Doch für mich waren all diese Ereignisse nichts weiter als bedeutungslose Projektionen ohne Substanz. Ich hob kaum den Kopf und schleppte mich von einem Tag zum nächsten.

Man bekommt beim Lesen schnell den Anschein als wüsste Toru oft selbst nicht was er eigentlich will. Er weiß nicht was er vom Leben und ganz besonders weiß er nicht, was er von sich selbst will. Ich weiß nicht ob das Sinn macht, aber dieser Druck immer zu wissen was man mit seinem Leben und sich selbst Anfangen will lastet schwer auf ihm und das spürt man beim Lesen. Und das obige Zitat macht das ganze recht deutlich, wie ich finde. Das Zitat ist der Anfang von Kapitel 10 und das ist schon fast das Ende der Geschichte, was noch deutlicher macht wie „verirrt“ er eigentlich ist. Er ist hin und her gerissen zwischen den beiden Frauen und dem Leben. Was natürlich irgendwie verständlich ist. Die Unsicherheit, das falsche zu wählen. Das Versprechen gegenüber Naoko zu brechen und doch mit Midori zusammen zu sein, zermürbt ihn Regelrecht. Das macht alles Sinn, auch weil er sicherlich immer selbst daran glaubte, dass Naoko irgendwann gesund werden würde. Obwohl ich fand das der Roman recht „normal“ Anfing, musste ich schnell feststellen das es mit den Seiten immer skurriler werden sollte. Nicht nur die Geschichte, sondern auch die Charaktere und deren Darstellung wurden mit der Zeit irgendwie immer skurriler und unüberschaubarer.

Das die Geschichte ein tragisches Ende haben würde war mir irgendwie von Anfang an bewusst und auch, wenn das jetzt auf dem Rahmen fällt, so ging mir doch Toru Watanabe mit seinem Selbstmitleid und seiner Unentschlossenheit, die er irgendwann an den Tag legte irgendwann auf die Nerven. (Auch, wenn ich seine Gründe sehr gut nachvollziehen konnte und er allen Grund zu dieser Unentschlossenheit hatte.)

Fazit

Das Buch an sich war wirklich gut. Mir gefällt Murakamis Schreibstil sehr, nur war ich irgendwann mit den ganzen Informationen die mit jeder neuen Seite auf mich zu kamen überfordert. Hinzu kommt die Art wie Murakami diese Geschichte erzählt, skurril und oftmals ist sie sehr überdreht, wie ich finde passt sehr gut zur Leben-und-Tod Thematik. Liebe und Leid werden in diesem Roman sehr großgeschrieben, genauso wie dem ernsthaften und leichtfertigem Umgang dieser beiden. Das Geschehene wechselte oft so schnell, dass ich mir zu einhundert Prozent sicher bin, einiges was so zwischen den Zeilen stand und passierte überlesen habe. 

Wie schon erwähnt ging mir Toru auf die Nerven. Am Ende war es irgendwann nicht mehr sein gejammere, sondern Toru selbst der mir gehörig auf die Nerven ging. Darum war ich als ich die letzte Seite erreicht hatte wirklich froh und erleichtert, dass es dann endlich zu Ende war.

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Beitragsbild: Photo by Cathy Mü on Unsplash

*Alle rezensierten und vorgestellten Bücher wurden von mir selbst gekauft.

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